ISO-Normen rund um CO2 und Nachhaltigkeit — kurz erklärt
Neben dem GHG Protocol tauchen in Kundenanfragen und Ausschreibungen immer wieder ISO-Nummern auf. Dieser Artikel erklärt die vier häufigsten in wenigen Sätzen — und ordnet ein, was davon ein Schweizer KMU tatsächlich braucht.
Inhalt
Die vier Normen im Überblick
Die ISO (Internationale Organisation für Normung) gibt weltweit anerkannte Normen heraus. Die vier folgenden behandeln ganz unterschiedliche Fragen. Nur zwei davon enthalten Anforderungen, die sich prüfen lassen; die anderen beiden sind Leitfäden.
| Norm | Worum es geht | Art | Für ein KMU relevant, wenn … |
|---|---|---|---|
| ISO 14064 | Treibhausgas-Bilanz einer Organisation und deren Prüfung | Anforderungen | ein Kunde oder eine Bank eine geprüfte CO2-Bilanz verlangt |
| ISO 14067 | CO2-Fussabdruck eines einzelnen Produkts | Anforderungen | ein Kunde den Fussabdruck eines bestimmten Produkts verlangt |
| ISO 26000 | Gesellschaftliche Verantwortung von Organisationen | Leitfaden | der Betrieb sein Nachhaltigkeitsverständnis ordnen will |
| ISO 20400 | Nachhaltigkeit im Einkauf | Leitfaden | der Betrieb seine Beschaffung nach Nachhaltigkeitskriterien ausrichten will |
ISO 14064: Treibhausgas-Bilanz und ihre Prüfung
Die Normenreihe ISO 14064 hat mehrere Teile. Für die CO2-Bilanz eines Betriebs sind zwei davon massgeblich: Teil 1 legt fest, wie eine Organisation ihre Treibhausgas-Emissionen erfasst und darüber berichtet. Teil 3 legt fest, wie eine unabhängige Stelle eine solche Bilanz prüft.
Inhaltlich liegt Teil 1 nahe am GHG Protocol. In der Praxis wird oft nach GHG Protocol gerechnet und nach ISO 14064-3 geprüft. Wie das zusammenspielt und was es für die Kosten bedeutet, steht im Artikel zum GHG Protocol.
ISO 14067: CO2-Fussabdruck eines Produkts
Während ISO 14064 den ganzen Betrieb betrachtet, geht es bei ISO 14067 um ein einzelnes Produkt: Wie viele Treibhausgase entstehen über seinen Lebensweg, von den Rohstoffen bis zur Entsorgung? Die Norm stützt sich auf die Regeln der Ökobilanzierung (ISO 14040 und ISO 14044), betrachtet aber nur die Klimawirkung.
Das Ergebnis heisst Product Carbon Footprint, kurz PCF. Die Norm wird derzeit von der ISO überarbeitet.
Organisation oder Produkt? Eine CO2-Bilanz nach GHG Protocol oder ISO 14064 beantwortet die Frage „Wie viel verursacht unser Betrieb in einem Jahr?". Ein Produkt-Fussabdruck nach ISO 14067 beantwortet die Frage „Wie viel steckt in einem Stück unseres Produkts?".
ISO 26000: gesellschaftliche Verantwortung
ISO 26000 ist kein Rechenwerk, sondern ein Leitfaden. Er beschreibt, was gesellschaftliche Verantwortung für eine Organisation bedeutet, welche Themen dazugehören und wie man sie im Betrieb verankert. Die Umwelt ist darin eines von mehreren Kernthemen.
Wichtig für die Einordnung: ISO 26000 enthält keine Anforderungen. Die ISO hält ausdrücklich fest, dass die Norm nicht für Zertifizierungen gedacht und geeignet ist. Wer mit einem „ISO-26000-Zertifikat" wirbt, verwendet die Norm also nicht in ihrem Sinn.
ISO 20400: nachhaltige Beschaffung
ISO 20400 überträgt die Gedanken von ISO 26000 auf den Einkauf. Der Leitfaden zeigt, wie eine Organisation Nachhaltigkeit in ihre Beschaffungsentscheide und -abläufe einbaut. Auch er ist eine Orientierungshilfe, keine Liste prüfbarer Anforderungen.
Für KMU ist die Norm vor allem aus der Gegenrichtung spürbar: Grössere Kunden, die ihren Einkauf danach ausrichten, stellen ihren Lieferanten entsprechende Fragen — unter anderem nach CO2-Daten.
Was davon braucht ein Schweizer KMU?
ISO-Normen sind freiwillig. Verbindlich werden sie erst, wenn ein Kunde, eine Bank oder ein Programm sie ausdrücklich verlangt. Die Detailtiefe dieser Normen ist für die meisten Schweizer KMU deshalb nicht zwingend.
- Ohne konkrete Anforderung genügt in der Regel eine sauber dokumentierte CO2-Bilanz nach GHG Protocol, bei Bedarf ergänzt um einen Bericht nach dem freiwilligen EU-Standard VS (bisher VSME).
- Verlangt ein Grosskunde oder eine Bank mehr, lohnt sich der Blick in die jeweilige Norm — und zwar genau in die, die genannt wird.
- Fragen Sie nach, bevor Sie Aufwand betreiben: Welche Norm ist gemeint, in welcher Tiefe, und bis wann?
Ehrlich gesagt: Viele Betriebe werden mit keiner dieser vier Normen je direkt arbeiten. Es hilft aber, die Nummern einordnen zu können, wenn sie in einer Anfrage auftauchen.
Unsere Rolle: CO2-Kompass erstellt CO2-Bilanzen nach GHG Protocol und bereitet sie auf Wunsch so auf, dass eine Prüfung nach ISO 14064-3 möglich ist. Taucht in Ihrer Anfrage eine andere Norm auf, klären wir im Erstgespräch gemeinsam, was damit gemeint ist.
Quellen: Normenbeschreibungen der ISO zu ISO 14064-1:2018, ISO 14064-3:2019, ISO 14067:2018, ISO 26000:2010 und ISO 20400:2017. Die Normen selbst sind kostenpflichtig. Stand der Darstellung: Oktober 2026.
Häufige Fragen
Muss ein Schweizer KMU ISO-Normen zur CO2-Bilanz einhalten?
Nein. ISO-Normen sind freiwillig. Verbindlich werden sie erst, wenn ein Kunde, eine Bank oder ein Programm sie ausdrücklich verlangt.
Kann man sich nach ISO 26000 zertifizieren lassen?
Nein. ISO 26000 ist ein Leitfaden ohne Anforderungen. Die ISO hält ausdrücklich fest, dass die Norm nicht für Zertifizierungen gedacht und geeignet ist.
Was ist der Unterschied zwischen ISO 14064 und ISO 14067?
ISO 14064 betrifft die Treibhausgas-Bilanz einer ganzen Organisation und deren Prüfung. ISO 14067 betrifft den CO2-Fussabdruck eines einzelnen Produkts über seinen Lebensweg.
Eine ISO-Nummer in der Kundenanfrage?
Im Erstgespräch klären wir, was tatsächlich verlangt ist und was Sie dafür brauchen.
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